Dürfen die beiden sich mal kennen lernen?


Vor einiger Zeit war ich mit einem meiner Hunde im Restaurant. Ok, es war vor Corona und den zahlreichen Lockdowns, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Jedenfalls lag mein Hund entspannt unter dem Tisch, was für sich genommen schon eine Leistung war. Denn das Restaurant war Teil eines Hundehotels. Ein Hotel, in dem Hunde nicht nur geduldet, sondern willkommen sind. Da gibt es natürlich jede Menge Gerüche und Ablenkungen. Nach einem langen Seminartag wollten mein Hund und ich daher nur noch unsere Ruhe. Mein Hund hat friedlich gedöst und ich war mit meiner Nachspeise beschäftigt, als ein junges Pärchen an meinen Tisch kam. Mit einem Hund an der Leine, vielleicht ein paar Monate alt. Und nun sollte der Hund offenbar "sozialisiert" werden. Denn das liest man ja so. Das ist doch wichtig!


Oder etwa nicht?


Jedenfalls hat mich das junge Paar freundlich angelächelt und gefragt: "Dürfen die beiden sich mal kennen lernen?"


Meine Antwort darauf: "Nein".


Denn hier geht es nicht ums "Kennen lernen". Es geht darum, dass ein Hund in einem Restaurant unter dem Tisch liegt, umgeben von etlichen anderen Hunden und Menschen. Menschen, die - trotz ihrer Liebe zu Hunden - einfach nur in Ruhe essen und sich unterhalten wollen. Was niemand will, sind zwei Hunde, die auf engem Raum an der Leine umeinander herumtänzeln und allen auf die Nerven gehen.


Ist das hart?


Nein. Es ist klar! Denn Hunde sind - anders als manche Menschen - hoch soziale Wesen. Mit einem feinen Gespür für Umgangsformen und den richtigen Augenblick. Und kein Hund würde - hätte er die Wahl - einfach zu einem anderen Hund unter den Tisch kriechen. Oder auch nur die Schnauze in Richtung des betreffenden Artgenossen stecken. Das gäbe - je nach Temperament des Kollegen - entweder Rambazamba oder eine gehörige Abreibung. Denn Hunde sind Konfliktvermeider. Was - in die Menschensprache übersetzt - bedeutet, dass sie ihre Ruhe haben wollen. Sie wollen nicht an der Leine zu anderen Hunden hin geführt werden. In einem Raum, in dem sie nicht ausweichen können. Konfrontiert mit einem Artgenossen, den sie nicht kennen und vielleicht auch gar nicht kennen lernen möchten (...).


Daher bitte: Lasst mal das Gedöns von "Kennen lernen". Eure Hunde möchten an der Leine in aller Ruhe - und mit dem gehörigen Abstand - an Artgenossen vorbei geführt werden. Sie möchten nicht in "Sozialkontakte" gezwungen werden, bei denen es kein Ausweichen gibt. Und nach denen die Leute sich dann wundern, wieso es hündischen Krawall gibt. Und den gibt es immer: Wenn nicht heute, dann morgen. Wenn nicht mit diesem Hund, dann mit dem nächsten!


Deshalb: Wenn ihr auf den Opernball gehen und euch dort höflich verneigen wollt. Super! Die Welt braucht Menschen, die sich zu benehmen wissen. Bevor ihr eure Hunde aber in derartige Szenarien hinein drängt, lest bitte mal ein Fachbuch. Oder bucht eine Stunde beim Hundetrainer. Aber versucht euch nicht selbst und ohne Sinn und Zweck in Dingen, die mit der Sprache und dem Sozialverhalten von Hunden rein gar nichts zu tun haben.




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