Rückruf, Teil 1 - oder: Etwas mehr Begeisterung, bitte!

Aktualisiert: 7. Aug.

Über Hunde zu schreiben, ist ein schier unerschöpfliches Thema. Einfach deshalb, weil ihre Besitzer*innen Verhaltensweisen an den Tag legen, mit denen man Bücher füllen könnte :-)


So auch heute wieder, als ich mit meinen beiden - angeleinten - Hunden unterwegs war. Für die Leine gab es einen Grund, wir waren auf einer Strecke unterwegs, auf der durchaus mal ein Auto kommen kann.


Andere Menschen sehen das offenbar anders. Das soll hier aber nicht Thema sein.


Jedenfalls waren wir gerade ruhig und friedlich unterwegs, als ein Hund, ich nenne ihn mal "Bello", auf uns zugerast kam. Natürlich ohne Leine. Wie sollte es auch anders sein? "Denn er tut ja nichts." Als ob es darum ginge ...


Bellos Besitzerin hat zunächst nicht reagiert, sich dann aber doch besonnen und versucht, ihren Hund zu sich zu rufen, um ihn ebenfalls an die Leine zu nehmen. Die Betonung liegt auf versucht. Denn funktioniert hat es nicht. Und anstatt ein - meist sinnloses - Gespräch zu beginnen, habe ich ihren Hund einfach für sich selbst sprechen lassen :-)


Denn ich kenne Bellos Besitzerin. Vom Wegschauen. Sie ist einer jener Menschen, die nur sich selbst reden hören.


Aber ein Hund sagt mehr als tausend Worte. Und so habe ich - ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen - Bellos Besitzerin ihr eigenes Tun vor Augen geführt. Ganz ohne Belehrung und Streitgespräch.


Bello ist, - wie sollte es anders sein - meinen beiden Hunden nachgelaufen. Nachgelaufen, herum gelaufen, hin und her gelaufen und dabei auch mehrfach an mir hochgesprungen. Wahrscheinlich wären wir als unfreiwilliges Quartett immer noch unterwegs, wenn ich kein Einsehen (oder die Faxen dicke!) gehabt und seiner Besitzerin zähneknirschend geholfen hätte.


Denn leider hat Bello auf das wiederholte Rufen seines Frauchens rein gar nicht reagiert. Auf meinen einmaligen Zuruf hingegen sofort. So habe ich einen meiner Hunde abgeleint, die Leine kurzentschlossen an Bellos Brustgeschirr befestigt und ihn zu seinem absolut hilflosen Frauchen zurück gebracht.


Und hier kommt jetzt die Preisfrage: Warum hat das funktioniert?


Bin ich eine "Hundeflüsterin"? Eines dieser Wesen, geschaffen von Fernsehsendern? Ein Mensch unter Tausenden? Jemand, dem Hunde einfach so folgen, während andere Leute sich mit offenem Mund staunend an den Kopf greifen?


Nein. Natürlich nicht.


Ich habe Bello einfach freundlich gerufen. Ich habe ihn körpersprachlich eingeladen. Ich bin nicht wie ein Ölgötze herum gestanden, mit der Stimme einer Schlaftablette.


Denn genau so hat Bellos Frauchen es gemacht:


"Bello".

"Bello".

"Bello".


Als ob ein Sterbender mit letzter Kraft den Priester ruft:


"Bello".

"Bello".

"Bello".


Klar kommt der Hund dann nicht. Warum sollte er auch?


Würden WIR kommen, wenn uns jemand ruft, von dem wir genau wissen, dass er total gelangweilt und desinteressiert ist? Vermutlich nicht! Statt dessen würden wir lieber noch eine Runde auf den Rummelplatz drehen. Alles ist besser, als lebendig begraben zu sein.


Und natürlich wäre nicht jeder Hund auf meinen Zuruf gekommen. Warum sollte er auch? Immerhin bin ich ein völlig fremder Mensch. Bei diesem Hund hat es funktioniert, weil er noch recht jung - und offenbar ausgehungert nach echter menschlicher Ansprache - war.


Trotzdem ist Lernen zumutbar. Vor allem für Menschen. Denn, jetzt mal ehrlich: Es ist keine Hexerei. Wenn man sich bemüht. Wenn man weder schreit, noch flüstert. Wenn man nicht bloß in der Gegend herum latscht und das dann "Spaziergang" nennt, sondern interagiert.

Hunde sind so tolle Wesen. Sie möchten lernen! Sie wollen kommunizieren! Kein anderes Tier ist bereit, sich dem Menschen dermaßen vorbehaltlos anzuschließen.


Und was machen wir?


"Bello".

"Bello".

"Bello".


Gähn. Bellos Frauchen hatte Null Überzeugung in der Stimme.


Und ich spreche hier nicht von "Strenge". Ich spreche nicht von diesem aufgeregten, wütenden und überforderten Rufen, das man allerorten auch zu hören bekommt.


Ich spreche aber auch nicht davon, mit der der Stimme einer Halbtoten zu rufen. Immer und immer wieder. So lange, bis es dem Hund bei den Ohren raus kommt. Immer dieselbe Leier. Gebetsmühe. Ohne Sinn und Zweck. Vor allem aber:


Ohne echte Freude. Ohne Begeisterung. Denn natürlich wird der Hund von solchen Leuten auch nicht gelobt, wenn er - meist eher zufällig - dann doch noch angeleint werden kann. Die Besitzer*innen gehen einfach weiter. Hinein in die nächste hündische Langweiligkeit. Oder ins nächste Destaster. Denn ab und zu kann es ja auch böse enden, wenn ein Hund so gar nicht hört. Dann aber ist natürlich der Hund schuld. Klar. Wer sonst :-(


Daher bitte: Seid davon überzeugt, was ihr macht! Glaubt daran, was ihr tut! Ruft weder Kommandos, noch Fragezeichen. Sondern eine Einladung. Freundlich, aber bestimmt.


Nur dann wird es funktionieren. Wenn ihr nicht mal selbst an euch glaubt, ganz ehrlich: Warum sollte euer Hund es dann tun???




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