Es war einmal ...

Es war einmal ein kleines Mädchen. Das wurde von seinem Lehrer recht grob behandelt. Ganz egal, was es auch versuchte: Das Ergebnis war ständig falsch. Wenn es zum Beispiel an die Tafel geholt wurde, um dort zu rechnen, blaffte der Lehrer das Kind an:

"Acht und vier ist nicht vierzehn! Wie oft soll ich es noch sagen: ACHT UND VIER IST NICHT VIERZEHNN!"


Das Kind starrte den Lehrer an und wurde am ganzen Körper steif. Wieviel war acht und vier noch mal gleich? "Acht und vier, acht und vier... gestern wusste ich es doch noch..."


Doch so sehr es sich auch bemühte, sein Gehirn wollte nicht funktionieren.


"Setz dich!", schrie der Lehrer das Kind an. "Du bist wirklich zu blöd für alles!"


Und so ging es weiter - bis die Eltern des Kindes ein Einsehen hatten. Das kleine Mädchen durfte die Schule wechseln. Und als es das nächste Mal an die Tafel gerufen wurde und wieder Rechnen am Programm stand, wusste es die Lösung wieder nicht. Zu groß war die Angst, zu groß der Stress. Denn das Kind hatte ja nie etwas anderes gelernt: Immer nur Stress und Ärger, etwas anderes hatte es vom Rechenunterricht nicht mitbekommen.


Doch der neue Lehrer war ganz anders. Und als das Kind die Lösung nicht wusste, sagte er sie ihm einfach. "Es ist ganz einfach", sagte er, während er das Kind freundlich anlächelte. "Acht und vier ist zwölf. Ich bin sicher, beim nächsten Mal wirst du die Lösung schon wissen." Und genau so war es: Das Kind wusste beim nächsten Mal die Lösung. Und nicht nur das: Plötzlich machte Schule Spaß, hier gab es ja wirklich etwas zu lernen!


Was das alles mit Hunden zu tun hat? Ganz einfach! Manche Menschen behandeln ihre Hunde genau so, wie der strenge Lehrer im obigen Beispiel das Kind. Nie erfährt das Tier, was es wirklich TUN soll. Immer wird ihm nur gesagt, was es NICHT tun soll. Da heißt es dann: "AUS, WEG, PFUI und NEIN" - nie aber erfährt der Hund, was wirklich gefragt ist. Weil ihm kein sinnvolles ALTERNATIVVERHALTEN beigebracht wird.


Dabei sind Hunde und Kinder ganz ähnlich: Es sind beides Säugetiere, die unter Stress nicht aufnahmefähig sind. Je freundlicher man daher zu seinem Hund ist, je öfter man ihn lobt und ihm zeigt, was er tun soll, anstatt ihn ständig nur für alles zu bestrafen, was er nicht tun soll, desto eher lernt der Hund. Weil er sich entspannt. Weil er uns vertraut. Weil er LERNEN MÖCHTE. Allerdings nur von wirklich guten Lehrern.


Und wer jetzt denkt: "Na klar, und irgendwann hat der Hund dann Oberwasser und hört gar nicht mehr. Ständiges Lob kann doch nicht gut sein?", der ist auf ganz alte - und tief schwarze - Pädagogik herein gefallen. Doch das wäre wieder eine andere Geschichte ...



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