Leinenführigkeit, Teil 1

Aktualisiert: 7. Aug.

Letztens habe ich eine freundliche Email von einer sehr netten Frau bekommen, die meine Videos auf Youtube nach eigenen Worten "voller Begeisterung" angeschaut hat. In einem dieser Videos geht es um das Thema "Equipment" - das heißt, um die verschiedenen Arten von Leinen, ihre Vor- und Nachteile. Und diese Frau war dann ganz erstaunt, dass sie ihren Hund an einer der dort empfohlenen Leinen führt und er trotzdem noch zieht.


Da musste ich einen Augenblick lang wirklich schmunzeln: Das wäre in etwa so, als ob man eine neue Wanderausrüstung kauft und sich dann wundert, warum man trotzdem noch aus der Puste kommt :-)


Denn der Hund lernt durch die Leine per se natürlich nichts. Er kann sich nicht denken: "Aha, Frauchen verwendet jetzt im Stadtverkehr eine eher kurze Leine, das soll mir zeigen, dass ich bei stressigen Hundebegegnungen immer nahe bei ihr bleiben soll."

Natürlich funktioniert das SO nicht. Vielmehr ist der Mensch aufgerufen, seinem Hund zu zeigen, dass er jede Situation - und zwar wirklich JEDE - unter Kontrolle hat. Dass sein Hund sich auf ihn verlassen kann. Immer und überall. Ganz egal, wer oder was kommt:


Frauchen oder Herrchen hat immer einen Plan, geht voraus schauend und führt den Hund sicher und ruhig vorbei. Die Leine ist dazu ein Hilfsinstrument - das primär dem Menschen dient. Um ihm Sicherheit zu geben und den gemeinsamen Radius überschaubar zu machen. Um den Hund nicht blindlings vorne weg laufen zu lassen - mitten hinein in fremde Hunde, Kinder oder Fahrradfahrer. Oder auch, um nicht von 30 Kilogramm Lebendgewicht an einer elendslangen Leine über den Asphalt geschleift zu werden... Hier wirkt simple Physik: Lange Leine = großer Radius: Kann böse ausgehen.


Und natürlich ist eine eher kurze Leine kein Folterinstrument: Natürlich müssen Hunde auch mal frei laufen können. Sie müssen schnüffeln, markieren und Reize verarbeiten können. In ihrem eigenen Tempo. Ohne dabei gezogen zu werden. Sonst lernt der Hund: "Ich zerre hin, du zerrst her. Alles ganz normal. Zwar irgendwie doof, aber was soll man machen."


Genau so soll es NICHT sein. Mit Hunden spazieren zu gehen ist wie Tanzen: Wir stellen uns auf einen gemeinsamen Rhythmus ein. Erst dann kommt Freude auf :-)


Somit gilt auch hier: Zu lernen hat der Mensch. Der Hund passt sich dann an. Hat er immer schon gemacht. Seit mindestens 15.000 Jahren.


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