Wann ist ein Hund alt genug, um etwas zu lernen? Oder: Lieber Gott, lass es Abend werden ...

Aktualisiert: 7. Aug.

"Lieber Gott, lass es Abend werden". Diesen pädagogisch ausgesprochen fragwürdigen Spruch hat meine ehemalige Mathelehrerin immer abgesondert, wenn jemand an der Tafel stand und nicht weiter wusste. Zwischenmenschlich ein absolutes Nulltalent, hat sie nur mit Angst gearbeitet. Wenn ich (oder ein anderer Leidensgenosse) daher zwangsweise an die Tafel geholt wurde und einfach nicht mehr weiter wusste, hat sie die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen und dieses "Stoßgebet" zum Himmel geschickt.


Und obwohl das natürlich unter jeder S... war, ist mir der Spruch in Erinnerung geblieben. Zwar würde ich ihn niemals laut aussprechen, in Gedanken kann ich mich aber manchmal nicht erwehren. So letztens am Hundeplatz.


Denn da war eine ausgesprochen sympathische Klientin mit ihrem Hund bei mir. Ein süßer Junghund, gerade am Übergang zur Pubertät. Und während Frauchen reglos dastand und sich von ihrem Liebling immer wieder in Hände und Unterarme zwicken ließ, fragte ich sie, was das soll. Ihre Antwort darauf: "Das hat uns ein Hundetrainer so erklärt. Er hat gemeint, unser Hund wäre noch zu jung, um etwas zu lernen."


Lieber Gott, lass es Abend werden!


Mit genau demselben Argument könnte man auch anfangen, Kindern erst in der Pubertät das Essen mit Messer und Gabel beizubringen ...


Denn richtig ist natürlich Folgendes: Hunde lernen immer. Von der Stunde ihrer Geburt an. Sie lernen von ihrer Mutter und natürlich auch von ihren Wurfgeschwistern. Sie lernen, wie man sich unter Hunden benimmt und was man besser lassen sollte.


Warum zur Hölle sollte ein Hund erst dann etwas lernen, wenn er "alt genug" ist? Und wie alt ist das überhaupt? Ein Jahr? Zwei Jahre? Beim Eintritt in die Volksschule? :-)


Natürlich darf man Tiere nicht überfordern. Und es macht einen Unterschied, ob ich einen Welpen, einen pubertierenden Junghund, ein erwachsenes Tier oder einen Senior vor mir habe. Sich aber in die Hände beißen zu lassen und dann darauf zu hoffen, dass das Tier irgendwann - später - lernen wird, dass das für den Menschen nicht super ist, ist blanker Unsinn.


Wenn Sie Ihrem Hund daher etwas zu sagen haben: Tun Sie es! Tun Sie es jetzt! Warten Sie nicht darauf, dass er "irgendwann alt genug" ist, um Sie zu verstehen. Sie bekommen sonst einen Hund, der rein gar nichts versteht. Weder jetzt, noch später. Denn der Spruch "Was Hänschen nicht lernt ..." gilt bei Hunden nicht. Er gilt auch nicht bei Menschen. Das ist eine veraltete Sichtweise. Hunde lernen, wie Menschen, lebenslang. Und natürlich müssen die Lernschritte dem Tier individuell angepasst werden.


Trotzdem ist es eine biologische Tatsache, dass gerade Hunde in ihren ersten Wochen und Monaten wie ein Schwamm alles aufsaugen, was es zu erfahren und zu lernen gilt.


Demgegenüber kann es einigermaßen schwierig werden, einem halb erwachsenen Hund mit monatelanger Verspätung beizubringen, dass er nicht beißen soll ... Weder aus Frust, noch aus Langeweile. Und auch sonst nicht. Aus Sicht des Hundes übrigens zu Recht: Warum sollte er auch verstehen, dass etwas, was bisher klaglos hingenommen wurde, plötzlich nicht mehr erwünscht ist?


Daher bitte: Glauben Sie nicht jeden Unsinn. Und ein Hundetrainer, der Ihnen so etwas erzählt, ist sein Geld nicht wert. Das tragen Sie dann besser in die Apotheke, um sich Handcreme, Desinfektionsspray und ein paar Pflaster zu besorgen.




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