Lasst Hunde doch endlich wieder Hunde sein!

Aktualisiert: 7. Aug.


Manchmal habe ich den Eindruck, die Welt ist verrückt geworden. Denn gerade Menschen, die ihre Hunde lieben, laufen mitunter Gefahr, am falschen Gleis zu landen. Was ich damit meine? Ganz einfach:


Da wird zunächst natürlich mal eingekauft: Nicht nur Decken, Leine und Körbchen, nein: Es wird auch noch ein "Anti-Schling-Napf" besorgt, obwohl jeder (außer den frisch gebackenen Besitzern) weiß, dass Hunde von Natur aus Schlinger sind: Ihr Verdauungstrakt ist darauf ausgerichtet, Nahrung schnell und in großen Stücken aufzunehmen und dann auch rasch wieder auszuscheiden. Was also soll ein "Anti-Schling-Napf"? Aber klar: Wer lebenslang dröges Industriefutter in sich rein fressen muss, soll natürlich länger etwas davon haben...


Und dann kommt der Hund in die Pubertät.


Plötzlich ist der süße Racker keine Knutschkugel mehr, nicht mehr Mamas Liebling und Papas Sparringpartner, er entwickelt einen eigenen Charakter, eigene Vorlieben - und (hormonell bedingt) natürlich auch die ein oder andere Unart.


Und spätestens hier zeigt sich dann, ob die Auswahl des Hundes weise getroffen wurde. Hier zeigt sich, ob der ach so süße Border Collie mit seinem Wunsch nach einer sinnvollen Aufgabe auf Dauer wirklich in die Familie mit kleinen Kindern und gestressten Eltern passt. Hier zeigt sich, ob man den Bedürfnissen seines Hundes gerecht werden kann. Hier zeigt sich, ob man es ernst meint. Ob man mit dem Hund wirklich durch dick und dünn gehen will - und gehen kann.


Wenn nicht, landet der Hund im Tierheim.


Denn dort finden sich nicht nur Hunde von verantwortungslosen Menschen wieder, die ihre Tiere gequält, misshandelt und verlassen haben. Hier finden sich auch Hunde wieder aus Haushalten, die man schlicht und ergreifend nur wohlstandsverwahrlost bezeichnen kann.


Denn ein Hund ist weder ein Accessoire noch ein Sportpartner und er ist auch nicht dazu da, die Kinder zu bespaßen. Er ist ein Lebewesen, das das Geburtsrecht hat, um seiner Selbst willen geliebt zu werden. Wenn die Liebe jedoch überhand nimmt - und der gesunde Hausverstand ins Hintertreffen gerät - endet die Geschichte im Tierheim. Oder beim x-ten Hundetrainer. Oder beim Verhaltensberater. Diejenigen jedoch, die tatsächlich Beratung gebraucht hätten, sind Menschen, die romantisierte und falsche Vorstellungen auf Tiere projizieren. Tiere, die davon weder eine Ahnung haben, noch diesen Vorstellungen gerecht werden können. Und wenn sich dann zeigt, dass doch nicht alles rosarot und Wanneeickel ist, ist die Verzweiflung groß.


Allerdings auch beim Hund.


Deshalb: Lasst die Hunde doch endlich wieder Hunde sein! Schleppt sie nicht von einem Termin zum nächsten, angefangen vom Welpenkurs bis hin zu Social Walks und den diversen "Sportarten", die eher den Geldbeutel der Veranstalter, als das Leben des Hundes bereichern! Dabei geht es nicht darum, nicht für die Bedürfnisse des Hundes zu sorgen, ihn nicht zu lieben oder nicht gut auf ihn zu achten. Es geht darum, nicht jeden Unsinn einzukaufen und Hunde nicht als Ersatz für die Lücken im eigenen Leben anzusehen. Es geht darum, emotional nicht ständig an ihnen herum zu zerren, aus falsch verstandenem Ehrgeiz, Langeweile oder Frustration. Ein Hund ist nicht verantwortlich für all die Themen, die man selbst nicht im Griff hat - dann aber eins zu eins dem Hund abverlangt!


Wenn ihr daher in den Wald gehen wollt: Geht in den Wald! Aber schafft euch keinen Hund an, mit dessen Jagdverhalten ihr absolut nicht zurecht kommt. (Und nein, man kann das nicht "abtrainieren": Man kann es idealerweise gefahrlos in den Spaziergang einbinden. Das erfordert aber Zeit und Mühe und jede Menge Beobachtungsgabe, gepaart mit echten Interesse für Tiere, Natur und Umwelt!).


Und wenn ihr Sport machen oder ein paar Kilo abnehmen wollt: Bingo! Eure Gesundheit wird es euch danken! Aber bitte lasst euren Hund in Ruhe - es ist in Österreich verboten, Hunde angeleint (oder angehängt) am Fahrrad nebenher laufen zu lassen. Und es ist auch ein weit verbreiteter Irrtum, dass Hunde ständig "ausgelastet" werden müssten. Die meisten dieser Hunde sind überlastet. Adrenalinjunkies mit Gelenksproblemen.


Und bitte: Missbraucht eure Hunde nicht Prestigeobjekt. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Pit Bull oder einen Afghanischen Windhund handelt. Wenn ihr euch minderwertig, klein, nicht gesehen und ungeliebt fühlt: Genau dafür ist Psychotherapie da. Es gibt eine Fülle von guten Hilfsangeboten. Aber bitte: Versetzt euren Hund nicht in die Lage, diese Hilfe für sich selbst in Anspruch nehmen zu müssen, während ihr bloß die Hände über dem Kopf zusammen schlagt und euch fragt, wie es bloß so weit kommen konnte ...






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